Roman's Kolumne

So war es damals...

Heisst die Kolumne von Roman Salzgeber. In regelmässigen Abständen berichtet Herr Salzgeber von früheren Zeiten rund um den EHC Visp. Viel Spass beim lesen...

 

An der Spitze mit dabei

Nimmt man die beiden bei uns beliebtesten Sportarten, Fussball und Eishockey, zusammen, ist Visp praktisch seit einem Jahrhundert an der Spitze unseres Kantons mit dabei. Der FC konnte vor kurzem sein 100jähriges Bestehen feiern. Bereits um die Jahrhundertwende gab es in Visp Fussballbegeisterte, aber noch keinen Platz um diesen, damals verpönten Sport, auszuüben. Und so spielte man halt auf dem Pausenplatz oder irgendwo auf der Strasse. Schon bald gab es sogar eine Art Quartier-Meisterschaft. 1914 dann wurde es ernst. Der FC Visp wurde gegründet. Als erster übernahm Alex Mengis das Amt des Präsidenten. Einer der immer wieder glänzende Augen bekam und so richtig ins Schwärmen geriet wenn er mit mir über die alte Fussballzeit sprach war mein Schwiegervater Candid Lerjen. Wir hatten ein gemeinsames Thema und er als Torhüter der  Visper viel zu erzählen.

Unzumutbar 

So erzählte er auch von einem Fussballspiel in Saas Fee unter Bedingungen welche man heute wohl für unzumutbar ansehen würde. Nicht allein der Spielplatz, welchen man mit dem besten Willen kaum als solchen bezeichnen konnte, war das Unzumutbare als vielmehr den Weg dahin. Postautos fuhren noch keine und in Ermangelung einer Strasse war auch eine Anreise mit Privatautos nicht möglich. So musste der Weg auf des Schusters Rappen gegangen werden! Kein Wunder, dass man sich in Saas-Fee angekommen am folgenden Tag ein grösseres Einlaufen vor dem Spiel ersparen konnte. Man war ja noch auf  auf „Betriebstemperatur“ vom Vortag, 

Etwas was mein Schiegervater mir immer wieder gerne erzählte war der Unfall von Alex Bodenmüller. Dieser hatte einen Zusammenstoss mit Torhüter Candid. Als beide aufstanden hatte Bodenmüller ein verzerrtes Gesicht und konnte nicht sprechen. Der Unterkiefer war ausgerenkt! Candid sah sich den Schaden an. Ein Schlag auf den Unterkiefer, dieser sass wieder richtig und das Spiel ging weiter! Ja so hart waren damals die Fussballer. Im Nehmen, aber auch im Geben. Candid war aber nicht nur Fussballer. Er war auch ein grosser Fan des EHC Visp. Über Jahrzehnte hatte er, zusammen mit seiner Frau Olga, die Saisonkarte. Dabei ging er mit den Spielen so mit, dass er  einmal sogar mit

Verdacht auf einen Herzschlag ins Spital überführt werden musste. Zum Glück bestätigte sich der Herzschlag nicht!

Ro.Sa.              

Auf den Schlittschuhen zum Match

Lange ist es her, so in etwa 65 Jahre, als ich die ersten Eishockeyspiele in Visp besuchte. Sehr vieles, ja fast alles, war damals anders. Gespielt wurde noch im Freien. Wind und Wetter ausgesetzt und nicht selten war der Schneefall Spielverderber. So konnte  es vorkommen, dass alle 10 Minuten das Eis gereinigt werden musste. Zum Teil eine richtige Knochenarbeit und die Eisreiniger schwitzten manchmal beinahe so viel wie die Spieler. Eine Eisreinigungsmaschine gab es damals noch nicht und die Eisreiniger mussten den Schnee von Hand abstossen oder wegschaufeln.

Die Banden, welche das Spielfeld abgrenzten, waren noch sehr niedrig und ab und zu landete ein Spieler bei einem Check unter den Zuschauern. Aber auch in der gesamten Ausrüstung, von den Schlittschuhen bis zum Helm, der noch nicht obligatorisch war, und auch nicht getragen wurde, bestehen enorme Unterschiede zwischen damals und heute. Und trotzdem konnte man intensive und spannende Spiele erleben, Spiele, die natürlich auch wir erleben wollten. Aber wie und womit? In Raron hatten wir wohl Schlittschuhe aber kaum Gelegenheit diese zu brauchen. Höchstens wenn es einmal vom Schmelzwasser Eis auf einer Wiese gab. Die Schlittschuhe welche wir hatten waren „Schrauber“. Sie wurden mit einem Flügelschlüssel an die Schuhsole angeschraubt. Am besten eigneten sich dazu Holzschuhe. Das waren Schuhe aus Leder und einer Sohle aus Holz. Hier hielten die angeschraubten Schlittschuhe am besten.

Aber eben, wo sie brauchen? Da kam uns die zündende Idee: Auf den Schlittschuhen zum Match! Und das über die Kantonsstrasse! Sand oder Salz wurde auf der Hauptstrasse nicht gestreut und von den wenigen Autos war der Schnee hart gepresst und von der Kälte gefroren. Auf der Strecke zwischen Raron und Visp hatten wir einen „Tribünenplatz“ . Als der Kassierer die Reihe der Zuschauer durchging rückten wir immer weiter nach hinten um uns dann wieder ganz vorne einzureihen. Der Grund: Hätte man uns Buben die Hosentasche umgedreht wären da keine 5 Rappen herausgefallen.

Ro.Sa.

Die richtigen Eigenschaften

Schweizermeister der höchsten Spielklasse, Sieger im Schweizercup, mehrfacher  Meister der Nationalliga B und, und, und. Das Palmares des EHC Visp ist gross.

Den wohl grössten und wichtigsten Sieg auf Eis konnten die Visper und ihre Verbündeten bereits vor mehreren hundert Jahren feiern. Und das in der Burgschaft von Visp. Worte wie Rache und Schlacht sind in Sportberichten verpönt. Und doch muss man hier das Wort Schlacht nennen, war es doch buchstäblich die Schlacht gegen die Savoyer. Diese wollten auch das Oberwallis unterjochen, kamen im Winter 1388 bis nach Visp und wollten die Bewohner zur Übergabe zwingen. Die Leute von Visp verlangten 3 Tage Bedenkzeit. Seines Sieges sicher willigte der Feind ein und lies sich die drei Tage wohlergehen. Die Visper aber riefen in aller Eile den Zehnden ein und man entschloss sich den Kampf zu wagen. Am Vorabend vor der Schlacht wurde das Wasser der Vispe in die Burgschaft geleitet Bei grosser Kälte gefror das Wasser zu Eis. Drei Schmiede bereiteten Fusseisen vor, damit die eigenen Krieger festen Stand hatten. Am Morgen gingen die Gesandten der Zehnden zum Gegner und teilten diesem mit, dass für sie ein Aufgeben nicht in Frage komme. In der Schlacht dann fanden die Savoyer auf dem Eis keinen Halt und hatten am Ende über 4000 Tote zu beklagen!

Diese eindrückliche Geschichte hat etliche Eigenschaften welche für den EHC Visp noch heute gelten Ein Aufgeben kommt nicht in Frage. Es braucht Mut, Selbstvertrauen, Kampfgeist , Denken, aber auch etwas List und das nötige Glück zum Erfolg.

Ro.Sa.    

Der Beginn der ? Eiszeit?

Mit der „Eiszeit“ ist hier nicht etwa  die Zeit der riesigen Gletscher gemeint, welche sich auch in unserem Kantonsteil bis weit durchs Rhonetal erstreckt haben.

So befindet sich im Pfynwald, kurz vor Siders, ein Findling welcher vom Gletscher hierher transportiert worden ist und als dessen Bezeichnung  man früher auch das Wort „Mörderstein“ hörte. Mittlerweilen kommt diesem Findling nur noch wenig Bedeutung zu, ja er ist fast in Vergessenheit geraten.

Nein, mit „ Eiszeit“ ist hier eine Zeit gemeint in welcher eine neue , packende Sportart begann. Eine Sportart welche auf Eis ausgetragen wird, besonders bei Jugendlichen sehr beliebt war, schon bald aber auch ältere Zuschauer in ihren Bann zog: Das Eishockey. Die ersten Länder welche sich mit dieser Sportart näher befassten waren England und Holland. Englische Offiziere waren es denn auch, welche dieses Spiel in Kanada, dem Land welches schon bald zu einer „Grossmacht“ dieser Sportart wurde, bekannt und beliebt machten. Ausrüstung, Spielfelder und Banden waren noch in keinem Vergleich zu heute. So wurde etwa statt mit einer Hartgummischeibe wie heute, mit einer Holzscheibe gespielt! Über Kanada und Amerika gelang das Spiel dann zurück nach Europa. Während diese beiden Länder auch jetzt noch zur Weltspitze im  Eishockey gehören spezialisierte sich Holland mehr auf den Eisschnelllauf wo dieses Land seinerseits zur Weltspitze gehört.

Beginn in der Westschweiz

In der Schweiz begann die „Eiszeit“ auf den schnellen Kufen in der Romandie. Studenten aus Ländern in denen man das Eishockey schon kannte brachten dieses Spiel in die Westschweiz In der Deutschschweiz leisteten die Zürcher Grasshoppers Vorarbeit. So richtig in Schwung bekam das Eishockey in der Schweiz als bei den  Bündnern Davos und Arosa dieser Sport seine Anhänger fand. Beide Teams lieferten sich zahlreiche packende Derbys und waren dominant, ehe Arosa das Geld ausging.

Bereits Jahrhunderte vorher kam es aber in Visp zu einem ganz besonderem Kampf auf Eis. Mit dem ersten Vispersieg. Davon aber ein andermal.

Ro.Sa.

Auf dünnem Eis

Anfangs der 1940er Jahren waren die Eisflächen zum Schlittschuhlaufen noch rar. Einige kleine Stellen vom zugefrorenen Schmelzwasser in den Wiesen. Einige wenige Meter vorwärts und einige wenige Meter seitwärts.

Mit 5 oder 6 Buben war die „ Eisbahn“ schon mehr als belegt. Und so machten wir Rarner unsere ersten Gehversuche am Rottenbord. In den damals noch kalten und schneereichen Wintern, in denen die weisse Pracht recht oft bis zu einem Meter und mehr hoch, auch in der Rottenebene, auf dem Boden lag, war der Rotten manchmal bis zu 4- 5 Meter vom Ufer hinaus gefroren.  Manchmal mehr, manchmal auch weniger. Am äussersten Rand, gegen die Mitte des Rotten zu, war aber das Eis immer dünn. Was da hätte passieren können wurde uns erst Jahre nachher bewusst. Wir waren in echter Lebensgefahr. Ein Zusammenstoss mit einem Kameraden, ein  Wegbrechen vom Eisrand auf dem wir uns befanden, und wir hätten im Rotten landen können. Eine Rettung im Eiskalten Wasser wäre kaum möglich gewesen! Und so erhielten wir den auch bereits nach kurzer Zeit ein elterliches Verbot der Benutzung dieser „ Eisbahn“.  

An andern Orten war das Problem mit den fehlenden Eisflächen nicht besser. So wurde etwa auch in Visp das Eis am Ufer des Flusses zum Schlittschuhlaufen genutzt. Allerdings nicht am Rotten, sondern an der Vispe. Aber auch hier kam wohl niemanden in den Sinn die Dicke des Eises oder dessen Tragfähigkeit zu messen. Und so bestand auch hier die Möglichkeit eines Einbruchs immer. Mit dem nötigen Glück, und wohl auch Dank einem guten Schutzengel, ging alles gut. Und so könnte man im Nachhinein die kleinen Eisflächen am Bord der Vispe als Ursprung für den Kampfgeist und das  starke Eishockey der Lonzastädter bezeichnen.

Ro.Sa.

Saison-Abo Ticker

bestellte Saison-Abos: 1116

Stand: 17.07.2017